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Interview Pflegekind

 

«Heimat ist da, wo ich mich wohlfühle»


Interview mit S., einem ehemaligen Pflegekind von Gisela Helbling

S., wie geht es dir?
Mir geht es gut. Ich habe letzten Sommer die KV-Lehre erfolgreich abgeschlossen und arbeite zurzeit als Praktikantin auf einem Sozialamt. Ich wohne noch immer bei meiner über 70-jährigen Gotte. Sie führt ein Restaurant und ich kann bei ihr günstig ein Zimmer mieten.

Du bist mit 18 Jahren im zweiten Lehrjahr bei den Pflegeeltern ausgezogen. Was waren die grössten Herausforderungen?
Selber kochen! Es war schon viel, das auf mich zukam. Ich musste alles selbstständig entscheiden und erledigen.

Wer unterstützt dich heute?
Da ich bei meiner Gotte wohne, bin ich nicht ganz allein. Meine Beiständin konnte ich behalten und ich bin sehr froh, dass sie das Finanzielle für mich regelt und mich bei administrativen Fragen berät. Meine ehemalige Therapeutin hat mir bei vielen Themen geholfen, ich treffe sie noch immer ab und zu. Ich habe auch noch Kontakt zur ehemaligen Pflegefamilie, das tut mir gut.

Wie beurteilst du rückblickend den Auszug bei den Pflegeeltern? Du hast den Entscheid damals ja plötzlich gefällt.
Heute kann ich sagen, dass der Schritt wichtig war. Wir hatten viele Konflikte. Jetzt haben wir wieder einen guten Kontakt, was ich sehr schätze. Ich gehe ab und zu auf Besuch und komme auch gut klar mit den zwei Pflegekindern, die jetzt dort wohnen. Ich freue mich, sie zu sehen. Wir haben eine Geschwisterbeziehung.

Wie kam es, dass du zu einer Pflegefamilie kamst?
Seit ich mich erinnern kann, war das Zusammenleben mit meiner psychisch kranken Mutter schwierig. Meine Mutter litt an Verfolgungswahn und hatte grosse Ängste. Sie konnte aufgrund ihrer Krankheit nicht für mich sorgen. Ich mag mich gut erinnern, dass ich einmal für mich und meine Mutter gekocht habe, sie mich aber beschuldigt hatte, das Essen sei vergiftet. Dies war letztendlich der Auslöser, dass ich zu einer guten Freundin und deren Mutter ging und mich weigerte, wieder nach Hause zurückzukehren.

Herzlichen Dank für dieses Interview