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Anforderungen


Anforderungen und Voraussetzungen für gute Pflegeeltern

Alle Pflegeeltern haben Stärken und Schwächen. Es benötigt die Bereitschaft, sich jahrelang weiterzuentwickeln und zu lernen. Ein Pflegekind aufzunehmen setzt ein jahrelanges Engagement und die Bereitschaft voraus, sich emotional ganz einzulassen.

Bedürfnisse der Kinder erkennen: Sensible Pflegeeltern können sich in das Pflegekindes einfühlen. Freundlich und hartnäckig bieten sie dem Kind ihre Liebe und Zuwendung an und lassen sich von allfälligen Zurückweisungen nicht abschrecken. Sie sind in der Lage, die Perspektive des Kindes und der anderen involvierten Personen einzunehmen. Sie helfen dem Kind dabei, seine leiblichen Eltern verständnisvoll und gleichzeitig realistisch zu sehen. Sensible Pflegeeltern setzen Grenzen zum Wohl und zur Sicherheit des Kindes und verbinden diese eng mit Liebe und Zuwendung. Zurückweisungen und Demütigungen des Kindes vermeiden sie.

Fürsorglichkeit: Eine liebevolle und fürsorgliche Grundhaltung ist ein wichtiger Baustein.  Wenn die Pflegekinder aber aggressiv, ablehnend und gewalttätig reagieren, könnten die Pflegeeltern enttäuscht sein, dass ihre Fürsorge nicht erwidert wird und keine Dankbarkeit von den Pflegekindern kommt. Das kann in einen Teufelskreis münden, indem sich die Pflegeeltern autoritär und strafend verhalten und die Kinder dies wiederum als Bedrohung erleben. Es ist sehr hilfreich, wenn die Pflegeeltern aufgrund ihrer eigenen Geschichte mit ihren eigenen Eltern auf einem sicheren Boden stehen und für die Kinder in jeder Situation sichere Bindungspersonen sein können. 

Erziehung: Pflegeeltern müssen sich bewusst sein, dass sie mit einem Pflegekind immer wieder neue pädagogische Wege gehen müssen, welche sich womöglich von der Erziehung der eigenen Kinder stark unterscheidet. Was bei vielen Kindern in der Erziehung gut funktioniert hat, ist bei einem Pflegekind womöglich ganz anders und es müssen unkonventionelle Wege ausprobiert werden. Pflegeeltern müssen fähig sein, ressourcenorientierte Haltung einzunehmen, d.h. sich auf die Stärken des Kindes zu fokussieren und nicht auf die Schwächen und Probleme. Bei der Betreuung muss das emotionale Alter im Vordergrund stehen, das heisst ein z.B. 6-jähriges Kind verhält sich wie ein 3-jähriges und soll entsprechend auch wie ein 3-jähriges Kind mit seinen Bedürfnissen betreut werden.

Gelassenheit und Humor: Mit einer guten Portion Humor und Gelassenheit können viele Situationen entschärft werden. Die Fähigkeit, zur richtigen Zeit den «Fünfer gerade sein zu lassen» hilft allen Beteiligten.

Struktur: Pflegekinder benötigen meist einen sehr klaren und strukturierten Alltag und möglichst wenig Überraschungen und wenig Orts- und Personenwechsel. Die Kinder spontan zu Bekannten mitnehmen zum Übernachten ist manchmal nicht hilfreich oder nicht möglich. Kleine immer gleiche Rituale helfen Kindern und geben Orientierung und Sicherheit.

Reflexion und Offenheit: Pflegeeltern müssen die Bereitschaft mitbringen, Situationen kritisch zu reflektieren und ihr Verhalten entsprechend anzupassen. Dazu gehört der offene Austausch mit Fachpersonen sowie die Teilnahme an Weiterbildungen, Supervision und Erfahrungsaustausch. Mit Pflegekindern zu leben bedeutet ein jahrelanger Lernprozess. Dies beinhaltet zwangsläufig eine Auseinandersetzung mit sich selbst und mündet in eine Weiterentwicklung der eigenen Persönlichkeit.